GandhiServe Stiftung

Für eine Welt
in Frieden und
ohne Gewalt!

Site map | Englisch


Loading
  Home Wir über uns Aktivitäten Über Gandhi GandhiMedia GandhiTopia Spenden Kontakt  
 

     

Gandhi Jayanti Berlin 2005 - Festrede von Yogesh Goda:

Das Leben meines Großvaters mit Mahatma Gandhi in Süd-Afrika


Gandhi Jayanti Berlin 2005: Yogesh Goda Gandhi Jayanti Berlin 2005: Yogesh Goda Gandhi Jayanti Berlin 2005: Yogesh Goda Gandhi Jayanti Berlin 2005: Yogesh Goda Gandhi Jayanti Berlin 2005: Yogesh Goda Gandhi Jayanti Berlin 2005: Yogesh Goda Gandhi Jayanti Berlin 2005: Yogesh Goda Gandhi Jayanti Berlin 2005: Yogesh Goda Gandhi Jayanti Berlin 2005: Yogesh Goda Gandhi Jayanti Berlin 2005: Yogesh Goda Gandhi Jayanti Berlin 2005: Yogesh Goda Gandhi Jayanti Berlin 2005: Yogesh Goda Gandhi Jayanti Berlin 2005: Yogesh Goda Gandhi Jayanti Berlin 2005: Yogesh Goda Gandhi Jayanti Berlin 2005: Yogesh Goda Gandhi Jayanti Berlin 2005: Yogesh Goda Gandhi Jayanti Berlin 2005: Yogesh Goda Gandhi Jayanti Berlin 2005: Yogesh Goda Gandhi Jayanti Berlin 2005: Yogesh Goda


Sehr geehrter Herr Dasgupta, Herr Pandey, Frau Hildebrandt, Professor Dr. Lütt, Herr Peter Rühe, Gäste und hier anwesende Persönlichkeiten an diesem glückverheißenden 136. Geburtstag von Mahatma Gandhi.

Zunächst möchte ich Ihnen allen im Namen meiner Familie danken, daß Sie mir die Gelegenheit geben, über das Leben meines Großvaters Prabhudas Gandhi zu sprechen, das er mit seinem Großonkel Mohandas Karamchand Gandhi verbrachte.

Als der junge Prabhudas 1906 in Süd-Afrika ankam, war er noch ein unschuldiges Kind im Alter von fünf Jahren. Als er 1914 von Süd-Afrika nach Indien zurückkehrte, war er 13 Jahre alt. Genau in diesem Zeitraum entwickelte Mahatma Gandhi den passiven Widerstand, den er später aktiven gewaltlosen Widerstand oder Satyagraha nannte. Diese unglaubliche und erstaunliche Bewegung lies einen immerwährenden Eindruck im jugendlichen Verständnis des jungen Prabhudas zurück. Er nahm Stunden in gemeinschaftlichem Leben, Grundschulausbildung und beteiligte sich an Programmen mit dem Thema zurück zur Natur unter Anleitung von Gandhiji. Obwohl er in seinem Alter keine bedeutende Rolle in der Bewegung spielte, folgte er in seinem ganzen Leben sehr strikt den Prinzipien seines Großenkels.

Mein Großvater erinnerte sich an all diese Ereignisse und Szenen, die er an der Seite von Gandhi in Süd-Afrika erlebte, ganz genau. Sie wurden 1948 in einem Buch mit dem Titel Jivano Parodh, Dämmerung des Lebens, veröffentlicht. In diesem Buch beschreibt er auch den Hintergrund der Entwicklung von Gandhis starker Willenskraft zum Beginn dieser völlig neuen Bewegung wie auch die Experimente, die Gandhi durchführte, um die Prinzipien der Gewaltlosigkeit festzulegen und darzustellen.

Mr. Polak, der Gandhis Mitarbeiter und Freund war und der mit ihm auf der Tolstoy Farm arbeitete, schreibt über das Buch: "Prabhudas Gandhi hatte große Pünktlichkeit beim Beschreiben der Ereignisse in diesen Buch an den Tag gelegt, indem er sein einmaliges und scharfes Gedächtnis nutzte. Das Buch gibt uns die Einzelheiten so wieder, wie sie in der Entwicklung von Gandhis Leben waren."

Aber anstatt mehr über das Buch zu sagen, möchte ich lieber einige Begebenheiten daraus zitieren.

Gefühle und Moral während des passiven Widerstandes

Im Jahre 1913 bereitete sich eine Gruppe von 16 Satyagrahis darauf vor, verhaftet zu werden. Dieser Gruppe gehörte auch Gandhis Frau Kasturba an. Gandhis Eltern Kashi und Chhaganlal und andere Mitglieder der Phoenix-Siedlung. Die Kinder der Siedlung kamen zum Bahnhof, um diese Gruppe zu verabschieden. Prabhudas Gandhi schreibt: "Als die Lokomotive am Bahnsteig einfuhr, fing mein Herz an, sehr schnell zu schlagen. Als ich mich von der Gruppe Kinder verabschiedete, wandte ich mich meinen Eltern zu, die dabei waren, in den Zug zu steigen. Einen Moment lang dachte ich, daß die Eltern ins Gefängnis kommen. Allein der Gedanke, daß ich allein zurückgelassen würde und daß ich mich um meine jüngeren Geschwister kümmern müßte, machte mir das Herz sehr schwer. Ich war kurz davor zu schluchzen Ich habe mich plötzlich zu meinen Eltern und anderen gebeugt und bin schnell davongerannt. Ghandiji selber versuchte, ein kleines Mädchen zu beruhigen, welches sich von seiner Mutter verabschieden mußte."

Dieses Ereignis hilft uns, die Bemühungen Gandhis zu verstehen, seine Mitstreiter zu inspirieren und bei Laune zu halten, damit sie ihm in den passiven Widerstand folgten.

Bildung bedeutet, der Gesellschaft zu helfen

Gandhiji glaubte, daß Bildung eine lebenswichtige Rolle bei der Lösung selbst der kleinsten Probleme der Gesellschaft spielen sollte. Bei der Phoenix-Siedlung stellten sich die Jugendlichen als hilfreich bei dieser Art der Bildung heraus. Einmal waren die meisten der älteren wegen zivilen Ungehorsams eingesperrt. Es war sehr wichtig, postalischen Kontakt mit der Außenwelt zu pflegen. Zu dieser Zeit übernahmen diese Kinder die Verantwortung dafür, die Post zum Bahnhof zu bringen und von dort wieder abzuholen. Die Kinder trugen die Pakete an langen Stöcken über eine Strecke von 2 1/2 Meilen. Prabhudas beschreibt dies so:
"Mir wurde die Aufgabe zugeteilt, die Post von der Drückerei zum Bahnhof und zurück zu bringen. Der Bahnhof lag zweieinhalb Meilen von der Siedlung entfernt. Der kurvenreiche Weg aus dem dichten Waldgebiet war recht einsam und furchteinflößend. Schlangen hingen von den Bäumen herab als ob sie auf meinen Kopf schwingen sollten. Nachdem ich vier bis fünf Stunden gelaufen war und den Campus erreichte, war ich stolz und zufrieden."

Naturbehandlung und Schlammpackungen

In Phoenix haben Prabhudas und sein jüngerer Bruder Krishnadas Malaria bekommen. Gandhiji begann sehr geduldig mit ihrer Behandlung. Er hat sich mit naturmedizinischer Behandlung perfekt ausgekannt. Mein Grobvater schrieb über diese Erfahrung der Behandlung von Gandhiji: "Ich war daran gewohnt, eine Bandage mit Schlamm 24 Stunden zu tragen. Sie wurde alle zwei Stunden gewechselt. Nach vierzehn Tagen derartiger Behandlung ging das Fieber ohne jegliche Medizin weg.

Prabhudas Gandhi kehrte 1914 zusammen mit Gandhiji und anderen Familienmitgliedern nach Indien zurück, nachdem in Südafrika der gewaltlose Widerstand erfolgreich angewendet worden war. Man bereitete ihnen in Indien einen sehr herzlichen und großartigen Empfang.

Webunterricht von Gandhiji und Prabhudas Gandhi

Gandhiji war sehr daran interessiert, die Herstellung handgemachter Kleidung in Indien wieder zu begründen, um unabhängig von der britischen Textilindustrie zu sein und schließlich auch politische Unabhängigkeit zu erlangen. Zuerst lernte Maganlal Gandhi das Weben von einem inneren Teil Südindiens. Gandhiji und Prabhudas wurden seine Schüler bei dieser Tätigkeit. Beide gewöhnten sich daran, Webarbeit in Gandhis erstem Ashram Indiens in Ahmedabad zu leisten. Aber während er die Spindel mit dem Faden einen Hieb versetzte, fiel diese viele Male zu Boden und verletzte Gandhis Bein. Am Anfang geschah das fünf oder sechsmal am Tag. Selbst nach erheblichem Bluten hörte Gandhij i nicht mit der Arbeit auf. Prabhudas schreibt: "Was für eine starke Willenskraft hat Gandhiji!".

Tuberkulose und Aufenthalt im Gebirge

Prabhudasbhai bekam schon in jungen Jahren Tuberkulose. Die Krankheit wurde so schlimm, daß die Ärzte empfahlen, daß einer der Lungenflügel mit einer Operation entfernt werden mußte. Die ganze Familie war unter großer Anspannung. Alle Mitglieder entschieden sich dafür, dem Rat des Arztes zu folgen. Nur Gandhiji war dagegen. Er meinte, wenn zusätzliche Sorgfalt auf Enährrung, Wasser und die Umwelt gelegt würde, könnten wir ohne Operation auskommen. Er arbeitete eine Behandlungsmethode aus und schlug vor, daß Prabhudas in der sehr gesunden, hygienischen und natürlichen Atmosphäre in Almora, einer Bergstation in Nordindien leben muß. Er schlug besonders nahrhaftes Essen vor. Die Behandlung schloß Yoga und Pranayama (Atemübungen) mit ein. Beide zogen 1932 nach Almora. Prabhudas folgte dem von Gandhiji vorgeschlagenen Behandlungsplan und begann in Almora zu leben. Nach drei Jahren war die Krankheit fast völlig abgeklungen, und Prabhudasbhai war gesund und munter. Danach fand Gandhiji für Prabhudasbhai eine Lebenspartnerin.

Hochzeitszeremonie und Segenswünsche, um Sozialarbeiter zu werden

Normalerweise hat Gandhi an Feierlichkeiten wie Hochzeiten nicht teilgenommen. In seinem ganzen Leben nahm er nur an zwei oder drei Hochzeiten teil, Prabhudas Gandhi und Ambadevi Gandhi war eines jener glücklichen Paare, das die guten Wünsche von Gandhiji zu seiner Trauung erhielt. Nicht nur daß Gandhi anwesend war, die Hochzeit wurde sogar von ihm geplant. Zusätzlich zur Hindu-Tradition schloß Gandhiji die Ideale des sozialen Dienstes mit in die Zeremonie ein. Das Paar mußte Sozialarbeit verrichten wie Saubermachen, Beten, Weben, Kühe hüten usw.

Während er dem Paar seinen Segen gab, sagte Gandhiji: "Möget Ihr beide ein Leben lang der Sozialarbeit verpflichtet bleiben und volle Kontrolle über Eure Sinne behalten, weil Ihr einen Eid geschworen habt, Euer Eheleben der Wohlfahrt zu widmen."

Prabhudas Gandhi und Ambadevi Gandhi blieben diesen von Gandhiji ausgedrückten und geforderten Idealen buchstäblich ihre ganzes Leben lang verbunden und betrachteten den Dienst an der Allgemeinheit als dem Gebetsdienst ebenbürdig.

Haft und Kontakt mit Führern

Während der Unabhängigkeitsbewegung im Jahre 1942 wurde Gandhi zum zweitenmal in seinem Leben inhaftiert. Von Kindheit an hatte er eine schlechte körperliche Verfassung, obwohl die Familie ihm gestattete, an den Kampagnen zum passiven Widerstand teilzunehmen. Er hatte ein sehr hartes und erbärmliches Leben als er in eine Einzelzelle gesteckt wurde. Über einen längeren Zeitraum von zweieinhalb Jahren blieb er zusammen mit Jawaharlal Nehru, Vinoba Bhave und anderen führenden Persönlichkeiten im Gefängnis.

Schaffung einer Traumwelt durch konstruktive Arbeit

Nach seiner Gefangenschaft wurden mein Großvater und seine Frau von Gandhi in ein kleines Dorf im nordindischen Staat Uttar Pradesh geschickt, um konstruktive Arbeit zur Förderung der Armen zu leisten.

Um in den armen Dörfern eine angemessene wirtschaftliche Lage zu schaffen, glaubte Gandhiji an die Macht des Spinnrades. Als er ein Spinnrad des alten Typs aus einem kleinen Dorf erhielt, war er sehr zufrieden. Die neue und leichte Technologie zur Herstellung handgearbeiteter Kleidung war geschaffen. Während er diese Technologie in armen Dörfern verbreitet, schreibt Prabhudasbhai: "Durch die Herstellung und Nutzung handgemachter Kleidung ist es möglich, durch ein einfaches Instrument wie dem Spinnrad eine Traumwelt zu schaffen."

Nach einigen Jahrzehnten konstruktiver Arbeit in armen Dörfern brachte er eine Zeitschrift heraus, die die Ergebnisse abdruckte. Er bewies, daß finanzielle Freiheit durch das Rad möglich ist. Die Überzeugung von Prabhudasbhai und Gandhiji ist heute noch wichtiger, da globale Industrialisierung die Welt in die Macht des Kapitals treibt.

Sozialarbeit, Aktivitäten und Errungenschaften

Nach der Unabhängigkeit gründete mein Großvater eine Reihe von Organisationen. Er widmete sein ganzes Leben konstruktiven Aktivitäten wie der Schaffung von Beschäftigung, Verwirklichung einer Grundschulausbildung und die Beseitigung der Unantastbarkeit und der Ungleichheit. Neben diesen Aktivitäten fand er noch Zeit für seine Schriften über seine Zeiten mit Gandhi und über das spirituelle Leben.

Viele Organisationen in Nordindien wurden inspiriert und erlangten moralische Stärke durch die Lebens- und Arbeitsweise von Prabhudashbhai Gandhi und seiner Frau Amba, um Aktivitäten nachzugehen, die auf der Gandhischen Ideologie beruhten und sich auf eine Verbesserung des Lebens der Dorfbewohner richtete.

Besitzlosigkeit und einfaches Leben

Mein Großvater hielt sich sein ganzes Leben davor zurück, unnötige Dinge zu besitzen, sich an Luxusgütern zu erfreuen, nicht nur in den Organisationen, die er begründete, sondern auch in seinem persönlichen Leben.

In diesem Zusammenhang möchte ich ein Beispiel aus meinem Haus über die Tugend des "Aparigraha" (Nichtbesitz) in Prabhudas Gandhis Leben erwähnen. Als meine Frau und ich einen Kühlschrank kauften, trat er in unserer gemeinsamen Familie gegen diesen Kaufakt auf, indem er sagte, daß er gegen diesen Kauf einen Tag fasten würde. Und er tat das auch. Erst später verstanden wir die Ernsthaftigkeit und wie konträr unsere Entscheidung gegen die Ideale seines Lebens war.

Engagierte Studenten und Förderer

Im späteren Leben meines Großvaters besuchten ihn mehrere Leute in unserem Haus in Rajkot, Gujarat. Einige von ihnen waren keine Inder, die die Prinzipien von Gandhiji studierten. Einer davon war Peter, der, wie alle Familienmitglieder von Prabhudas Gandhi von der sauberen Persönlichkeit meines Großvaters im Herzen gerührt war. Der Gandhi-Geist, den wir erfahren konnten als er ein Spinnrad benutzte, las, schrieb und vollkommen bewußt Nahrungsmittel zu sich nahm, kann in einem Artikel oder einem Vortrag nicht angemessen zum Ausdruck gebracht werden. Der Film und die Bilder, die Sie in zwei Minuten sehen werden, können Ihnen eine Vorstellung davon vermitteln, was für ein wunderbarer Mensch er war.

Schlußfolgerung

Am Ende meiner Rede möchte ich einige Worte über die Bedeutung der Lehren von Mahatma Gandhi für uns verlieren. Heute werden die Gesellschaften auf Grund der Nutzung moderner, arbeitsparender Technologien usw. mit den Auswirkungen der Globalisierung, der Umweltverschmutzung, des Terrorismus und der Arbeitslosigkeit konfrontiert. Hinter all diesen Problemen kann man den Wahnsinn des Menschen gegenüber einem materialistischen Leben erkennen, den Ehrgeizes des Menschen, die Natur zu kontrollieren, die Verrücktheit des Menschen, Terrorismus und Gewalt zu benutzen, um Gerechtigkeit zu erlangen. Um alle diese Störfaktoren der Gesellschaft zu überwinden, müssen wir lernen, Gandhis Ideen in die heutige Situation zu übertragen und sie klug anzuwenden, wie das zum Beispiel von Martin Luther King Jr., Nelson Mandela oder Lech Walensa gemacht wurde. Deshalb ist ein sorgfältiges Studium des Lebens und Werkes von Gandhi wichtiger als je zuvor.

Schließlich möchte ich im Namen meiner ganzen Familie meinem Freund Peter Rühe, der Leitung des Museums Haus am Checkpoint Charlie und der Indischen Botschaft dafür danken, daß sie mir die Gelegenheit gaben, heute abend meine Gedanken mit Ihnen auszutauschen.

Dankeschön.

© Copyright 2002-2012 GandhiServe Stiftung. Alle Rechte vorbehalten. Impressum | Kontakt